Sicher, man kommt nach Val d'Intelvi, um einen direkten Kontakt mit der Natur zu haben. Aber falls man Lust auf ein wenig Stadtleben bekommen sollte (nur ein wenig und nur auf das Beste, ohne den täglichen Stress), ja, dann reicht es, ins Auto zu steigen, um in kürzester Zeit in Lugano anzukommen, wo man unter den Bogengängen von Via Nassa elegant Shoppen oder sich in den sehr aktiven tessinischen Galerien eine Kunstausstellung anschauen kann. Wollen Sie auf Schwarz oder Rot setzen? Für die Spielleidenschaft, sollten Sie außer Lugano auch Campione d'Italia probieren: Eine hübsche italienische Enklave auf helvetischem Territorium, mit einem der schönsten Spielkasinos Europas.
Und mit nur einigen zusätzlichen Kilometern erreicht man Bellinzona, stolz auf seine drei Burgen, oder den Ort San Bernardino, der zu einigen der angesehensten Schweizer Skiorte führt, gut in einem Tag zu erreichen ....von den sehr viel günstigeren Unterkünften der Val d'Intelvi.

Oder, in Richtung Porlezza - welche Freude, die sommerliche Kühle der typischen Osterien - und Ceresio entlangfahrend, Szenarien, die reich an literarischen Verlockungen sind (Albogasio und
Oria, Schauplatz der Romane von Fogazzaro). Beim anderen, dem Comer See hingegen, erwarten Sie bei der Insel Comacina und zwischen den blühenden Gärten von Villa Carlotta in Tremezzo packende Ansichten, ebenso an der Landzunge Balbianello mit der herrlichen Villa aus dem 18ten Jahrhundert.

Das Leben hat sich sehr verändert, in dieser Gegend!
Die größeren Straßen und die Ausbreitung des Autoverkehrs erleichtern heute die Kontaktmöglichkeiten. Anno dazumal war dies ein Land mit mühseliger Landwirtschaft - Heu für die Tiere, Kastanien und wenig mehr -, ein Land der Holzfäller und Steinschnitzer, den berühmten "Picapreda", die Kunstwerke in ganz Europa verwirklicht haben. Heute sind viele Einwohner der Val d'Intelvi Grenzgänger in der nahen Schweiz, andere widmen sich unternehmerischen und kommerziellen Tätigkeiten, die mit dem Tourismus verbunden sind.
Aber die Erinnerung an die antiken Traditionen ist noch lebhaft, z. B. in den Feierlichkeiten zu Ehren der Heiligen Jungfrau von Loreto am letzten Januar-Wochenende: drei Feiertage mit festlichen Prozessionen, Musikkapellen und Auktionsverkäufe auf dem Dorflatz.
Aber auch in der historischen Erinnerung an den Palio von Lanzo, bei dem die jungen Leute in mittelalterlichen prachtvollen Kostümen vorbeiziehen, sowie der "Festa dei Cuurt" von Scaria, die im Juli die schönsten Höfe der Ortschaft belebt, und weiterhin der "Lanz cume Serum" im August, einer Erinnerung an das Handwerk und die Speisen zu früheren Zeiten.
In der nahen Gemeinde Schignano spielen die grotesken Masken der Schönen und Hässlichen ("belli e brutti") in den Gassen während Karneval Fangen- die Einen in mit bunten Bändern geschmückten Kleidern, die Anderen bedeckt mit Ziegenfellen und Glocken, das Gesicht unter Holzmasken versteckt. Und in Argegno, an der Öffnung des Tales, entfaltet sich der Volksglaube in der lebenden Krippe ("presepe vivente") im Dezember.

Für die Kunstszene hält das Val d'Intelvi Überraschungen von seltener Schönheit bereit. Neben dem Friedhof von Scaria beeindruckt die romanische Kirche S. Nazaro und Celso mit ihren lebhaften Fresken aus der Renaissance-Zeit.
Im Dorfzentrum hingegen findet man das Museum der Heiligen Kunst ("Museo d'Arte Sacra") mit interessanten Fundstücken der Religionskultur des Bereiches, und eine spätbarocke, der Heiligen Maria gewidmeten Kirche: Hier bezeugen die Fresken und die Stuckverzierungen von Diego und Carlo Innocenzo Carloni die anmutende Rokoko-Reinheit des frühen 18.ten Jahrhunderts im Intelvese-Tal, die sich rasch in ganz Europa ausgebreitet hat. Jahrhunderte lang haben die Künstler und Handwerker des Tales, Meister in der Kunst der Alabaster-Verarbeitung, raffinierte Meisterwerke in den Königshöfen des alten Kontinents hinterlassen. Anfang des 20. Jahrhunderts bauten hingegen vermögenden Familien aus Mailand und Como Villen im Liberty-Stil in Lanzo; Steinmauern verziert mit harmonischen schmiedeeisernen Gittern, behagliche Bogengänge, elegante Säulenfenster, die auf die Berge blicken erzählen von einer opulenten und geschmackvollen Vergangenheit.
Auch die Anhänger der Naturgeschichte werden nicht enttäuscht sein. Das Fossilienmuseum von Scaria stellt Fundstücke aus, die auf 310 Millionen Jahre zurückgehen.

Empfehlenswert ein Ausflug zur Bärenhöhle (Grotta dell'Orso) auf dem Gipfel des Monte Generoso: Man erreicht in dreieinhalb Stunden Fußmarsch von Lanzo aus oder in einer halben Stunde mit der Zahnradbahn von Capolago (CH) einen Ort, an dem die Reste von ungefähr zehn "Ursus Spelaeus" aufgefunden worden sind, dem gigantischen Höhlenbär, der am Ort vor ca. 12.000 Jahren ansässig war.


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